Hallo Hagen, als relativ neues Mitglied im Team 2008 hier ein paar kurze Fragen zu Dir und Deiner Person:

Wie bist Du zur Leichtathletik gekommen?

Angefangen habe ich mit dem Fußball. Als ich dort körperlich nicht mehr mithalten konnte und auch schon ein paar mal bei Ulrike Bruns trainierte, habe ich mich der Leichtathletik verschrieben. Der Trainingsaufwand steigerte sich dann von Jahr zu Jahr. Ich wollte schon zur 7. Klasse auf die Sportschule, wo ich leider abgelehnt wurde.

Seit wann genau trainierst du bei Olaf Beyer?

Seit dem 30.10.2006 trainiere ich jetzt bei Olaf. Ich sollte erst noch den Magdeburg-Halbmarathon absolvieren bevor ich zu Olaf wechsle.

Seit wann mit leistungssportlichem Hintergrund?

Mit leistungssportlichem Hintergrund? Ich dachte schon 2004, dass ich mit leistungssportlichem Hintergrund trainiere. Seitdem ich bei Olaf bin, wurde ich eines besseren belehrt und weiß, dass ich früher zu wenig gemacht habe. Wirklich leistungsorientiert erst seit dem 30.10.2006, obwohl ich in Amerika auch schon ziemlich viel trainiert habe, leider erfolglos.

In wie fern hat Dich das Jahr in den USA geprägt?

Es hat meine Einstellung zum Sport stark geprägt, es hat mir gezeigt, wie viel Spaß Training machen kann. Ich habe mit 8 Läufern in meinem Alter trainiert. Wir hatten alle ungefähr das gleiche Leistungsniveau und konnten uns so gegenseitig motivieren und das Letzte aus uns rausholen. Es hat mir auch gezeigt, dass wichtige Sachen, wie z.B. Schule und später Arbeit zweitrangig sind. Ich brauche keinen guten Schulabschluss und keine gute Arbeit, wenn ich dabei im Leben unglücklich bin. Es gibt einfach Wichtigeres. Bei mir steht jetzt der Spaß im Vordergrund.

Wie sind Deine Ziele für 2007 und darüber hinaus definiert?

Ziel ist natürlich die Teilnahme an Deutschen-Meisterschaften mit Augenmerk auf die 10000m Straße. Darüber hinaus gibt es jetzt noch keine Ziele sondern nur Träume, die jeder Leichtathlet hat. Ein Traum wäre die Teilnahme an internationalen Meisterschaften.

Was kommt nach der Schule bzw. dem Abitur?

Ich würde gerne weiterhin Leichtathletik betreiben, auch intensiver als jetzt um an meine Grenzen zu gelangen. Der einzige Weg, der das bietet wäre wohl die Sportfördergruppe. Eine weitere Möglichkeit bildet das Studium.

Was waren bisher Deine schönsten Momente / Erfolge in der Leichtathletik?

Ich denke der schönste Moment war im November 2005, als ich in Amerika mit der Lakeville North Highschool den dritten Platz bei den State Finals im Cross Country belegt habe.

Wie sind nach Deinem ersten Trainingslager Deine Eindrücke vom Team 2008 um Olaf Beyer?

Es ist ein lustige Truppe, mit der das Training Spaß macht und jeder zu mehr Leistung angespornt wird. Besonders motiviert mich die ständige Anwesenheit von Olaf bei allen Trainingseinheiten. Olaf ist einfach immer da, wenn man ihn braucht. Der Spaßfaktor beschränkt sich nicht nur auf das Training, gerade außerhalb der Trainingszeiten ist es ein lustiges Beisammensein. So freue ich mich auf jede weitere Trainingseinheit mit euch.



Hallo Coach. Sie sind 1978 in Prag Europameister über 800m geworden. Ihre Siegerzeit von 1:43,84
scheint heute noch für viele Läufer schwer erreichbar zu sein.

Wie würden Sie Ihre Leistungen aus heutiger Sicht beurteilen?

Ich hatte damals alle Möglichkeiten den Leistungssport mit Konsequenz zu betreiben. Neben sehr
hartem Training hat auch das Umfeld gestimmt. Dem Training habe ich alles untergeordnet und auf eine
ganze Menge verzichtet. Eine solche Förderung ist heute nur noch bei der Bundeswehr möglich. Wenn
man heute nach dem Abitur nicht die Leistungen bringt, um eine Förderung zu erhalten, fällt die
Entscheidung meist gegen den Leistungssport, auch wenn die Leistungsgrenze noch nicht erreicht ist.
Sich für den Sport und gegen eine solide Ausbildung zu entscheiden, ist heute ein zu großes Risiko
bzw. für einige aus finanzieller Sicht nicht zu realisieren. Die meisten müssen neben der Ausbildung
Geld verdienen, und das ist in dem Alter mit Sport noch nicht zu machen.

Was war neben Ihrem größten Erfolg die schmerzlichste Niederlage?

Dass ich zu den Olympischen Spielen 1980 als amtierender Europameister das Finale verpasst habe,
hat enttäuscht, war aber nach einer erneuten Sprunggelenkverletzung und einer medaillenlosen
nationalen Meisterschaft 2 Wochen voher abzusehen. Viel schlimmer war, dass ich nach einem 7. Platz
bei den EM 1982 über 800m nicht zu den 1500m antreten durfte. Nicht zeigen zu können, was ich in
diesem Jahr über 1500m drauf hatte, tat weh. Und die 1500m war eine der schlecht besetztesten
Disziplin dieser EM. Da war es nur ein kleiner Trost, dass ich das nicht live erleben musste, sondern
in Ruhe zu Hause vorm Ferseher, da ich aus Athen sofort abreisen musste.

Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?

Vielleicht bin ich etwas zu ruhig und zurückhaltend, trotzdem aber umgänglich. Nach außen bin ich
ausgeglichen, was mir ab und zu als abweisend ausgelegt wird. Ich bin sehr tolerant, und ich denke,
dass man das als Lehrer und Trainer von erwachsenen Menschen auch sein kann. Mein Ehrgeiz hat sich
auch auf meine Kinder übertragen. Das freut mich sehr, denn das braucht man nicht nur im Sport,
um erfolgreich zu sein.

Was bedeutet für Sie das Laufen?

Einfach alles!

Sie sind Lehrer, Trainer, Athlet und Familienvater. Wie koordinieren Sie Ihren Alltag?
Gibt es manchmal auch Reibungspunkte an der einen oder anderen Stelle?

Spontan fällt mir ein: "Nächste Frage."
Solche Fragen sind immer unbequem. Ich will nicht als einer gelten der alles perfekt unter
einen Hut bekommt. Ich stehe dabei zwischen nicht "nein" sagen zu können und Dinge richtig oder
gar nicht zu machen. Ich merke schon, dass ich irgendwo Abstriche mache, die mir an und für sich
nicht passen. Man muss halt Prioritäten setzen. Zuerst kommt der Job, denn damit verdiene ich das Geld
um alles andere als Hobby zu haben. Meine Kinder brauchen mich nicht mehr allzu oft, auch wenn sie
wissen, dass ich jederzeit für sie da bin und auch mal Dinge liegen lasse, um ihnen zu helfen.
Und das tue ich auch mit Freude. Für meine Frau hätte ich gern mehr Zeit, zumal sie mich immer sehr
unterstützt und Verständnis für meine "Sucht" aufbringt. Ich versuche auch da die Grenze nicht zu
überschreiten. Die meisten Abstriche mache ich derzeitig am eigenen Training, was sich dann leider
auch in den Leistungen bemerkbar macht.

Wie stellen Sie sich Ihre weitere Zukunft beruflich bzw. sportlich vor?

Ich habe einen Job den ich gern ausübe und noch eine Weile tun werde. Als Trainer wünscht sich sicher
jeder, dass seine Athleten erfolgreich sind. Und das muss nicht immer ein Olympiasieg sein. Aber wenn
einer das Potenzial hat dabei zu sein, möchte ich auch alles tun ihn dahin zu bringen. Seit ich eine
Trainingsgruppe betreue, habe ich aufgehört mir persönlich langfristig sportliche Ziele zu stellen.
Ich kann da nur Entscheidungen aus dem aktuellen Zustand heraus treffen. Dabei muss ich immer öfter
mit weniger zufrieden sein, auch wenn es für mich nach wie vor keine lockeren Wettkämpfe gibt.
Nach dem Startschuss gebe ich immer alles, vor allem wird bis zum Ziel gekämpft.

Ist denn ein Ende des Athleten Olaf Beyer überhaupt denkbar?

Ich hoffe nur, dass es nie passiert, dass ich, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr laufen kann
bzw. es keinen Sinn mehr macht Wettkämpfe zu bestreiten.

Was erhoffen Sie sich durch die Gründung des Teams 2008?

Einmal ein Stück Identifikation der Trainingsgruppe, die durch einen Namen auch nach außen getragen
werden kann. Zum anderen auch Motivation aller Läufer der Gruppe, zu einem Team zu gehören.
Ich denke, dass alle ein Stück mehr Zusammengehörigkeitsgefühl und Verantwortung für die Gruppe
entwickeln. Auch einen kleinen Ersatz dafür, dass ja alle in unterschiedlichen Vereinen zu Hause sind
und auch unterschiedliche Strecken laufen und trainieren. Es ist schon irgendwie auch zu merken,
dass alle ihren Beitrag bringen und sich Gedanken machen das Team voran zu gestalten.

Welche Erwartungen stellen Sie an Ihre Athleten?

Zu aller erst einmal ein hohes Maß an Selbständigkeit, da ich den Job als Trainer des Teams ja nicht
hauptberuflich mache und nicht bei jedem Training dabei sein kann. Die Trainingssteuerung kann nicht
nur von außen kommen, der Athlet muss vor allem Belastungsgrenzen zur Selbsteuerung erkennen.
Selbständigkeit aber vor allem auch bei den vielen anderen Dingen, die neben dem harten Training
zum Leistungssport gehören. Er sollte das Leben so einrichten, dass täglich die hohen Leistungen erfüllt
werden können. Um Gesundheit und Fitness immer zu gewährleisten ist einiges zu tun und auch auf
einiges zu verzichten.

Wie stehen Sie ´Neuzugängen´ im Team 2008 gegenüber? Was muß ein Athlet charakterlich mitbringen?

Ich könnte jetzt eine Menge guter Eigenschaften nennen, aber wer in das Team passt, wird es nach
einiger Zeit Training bei uns merken. Wir wollen das harte Training mit Spaß und Lockerheit schaffen.
Ich mag lieber Bescheidenheit als Überheblichkeit. Trotzdem sollte jeder auch Selbstvertrauen haben
und wissen, was er kann. Dazu gehört gute Selbsteinschätzung. Überzeugen sollte man zuerst mit Leistung.

Was würden Sie mit Ihrer Erfahrung aus dem Leistungsport jungen Sportlern für Ihren Lebensweg mitgeben?

Es sollte jeder einmal seine Möglichkeiten ausreizen. Dazu gehört, ab einem bestimmten Punkt auch
etwas mehr zu tun, als nur hartes Training zu absolvieren. Sonst kann man immer nur vermuten, ob mehr
möglich gewesen wäre.